Stellt euch vor, ihr gebt einem Praktikanten eine Aufgabe. Ohne Kontext, ohne Ziel, ohne Deadline. Was kommt dabei raus?
Vermutlich nicht das, was ihr eigentlich gebraucht hättet. Denn ein guter Lösungsansatz braucht gezieltes Erwartungsmanagement und klares Feedback. Dieses Prinzip lässt sich auch auf den Umgang mit KI übertragen. Doch gerade beim Prompting ist es verlockend, einfach mal draufloszutippen, Enter zu drücken … und sich dann über wenig brauchbare Ergebnisse zu wundern.
Obwohl ich behaupten würde, dass ich bereits ziemlich durchdacht mit KI arbeite, war eine These aus einer kürzlich besuchten Veranstaltung für mich trotzdem ein Wendepunkt. Seitdem frage ich mich bei jedem Prompt, ob er auch als Briefing für ein Teammitglied verständlich und zielführend wäre? Dieser zusätzliche Blickwinkel hat – um es im KI-Sprech zu sagen – mein Prompting auf ein neues Level gehoben. 🚀
KI als Führungsaufgabe
Nach einem spannenden Tag im Zeichen von Führung in dynamischen Zeiten, organisiert von der VBG – Ihre gesetzliche Unfallversicherung, hat mich diese Frage nicht mehr losgelassen: Ist der Output, den KI uns liefert, nicht auch ein Spiegel unserer Führungsqualitäten? Im Grunde funktioniert die KI nämlich wie neue Mitarbeitende. Sie bringt Potenzial mit, bleibt ohne Anleitungen aber unter ihren Möglichkeiten.

Aber von vorne. Im Fokus stand zunächst das Spannungsfeld, in dem sich besonders Führungskräfte in Transformationsprozessen tagtäglich bewegen. Schließlich sie sind Treiber von Wandel und zugleich persönlich davon betroffen.
Ein Sinnbild für einen solchen Transformationsprozess ist die Einführung und Nutzung von KI in Unternehmen. Sie ist weit mehr als ein technisches Werkzeug und in vielerlei Hinsicht eine Führungsaufgabe – unabhängig davon, ob wir in einer Agentur arbeiten, in der generative KI schon heute zum kreativen Alltag gehört, oder in der Industrie, wo Automatisierung und Effizienzsteigerung im Fokus stehen.
Agenturalltag mit KI
Trotz dieser breiten Relevanz stehen wir in diesem Prozess noch ganz am Anfang. Obwohl viele zu glauben wissen, wohin die Reise geht, ist der tatsächliche Einfluss auf unsere Arbeitswelt noch kaum abzusehen. Diese Unsicherheit stellt auch Führung auf den Prüfstand, da sie Orientierung geben soll, wo noch keine Gewissheit herrscht.
Da wir bei Wake up in flachen Hierarchien arbeiten, entstehen Impulse und Entscheidungen bei uns jedoch eher im Team. Da probiert hier mal jemand ein neues Tool aus, dort üben wir uns im Workshop gemeinsam an KI-gestützter Kampagnenplanung und entwickeln unsere KI-Kompetenz Schritt für Schritt weiter.
So nutzen wir KI mittlerweile ganz selbstverständlich in vielen Bereichen unseres Arbeitsalltags: zur Ideengenerierung für Kampagnen und Social-Media-Postings, zur Optimierung von Captions und längeren Texten, bei der Konzeption von Bild- und Bewegtbildformaten oder beim Aufbau unseres internen Wikis.
Wenn KI zum Teammitglied wird
Dabei ist uns schon lange bewusst: Der Umgang mit KI ist auch eine Frage der Kommunikation. Oft nutzen wir beim Prompting intuitiv Fähigkeiten, die wir auch in der Führung einsetzen würden. Wer das erkennt, kann genau hier ansetzen und mit ein paar einfachen Prinzipien deutlich bessere Ergebnisse erzielen. Diese Tipps helfen dabei:
- Erst die Rolle, dann der Prompt: Wer Verantwortung trägt, gibt nicht nur Anweisungen, sondern versetzt sich in andere hinein – auch beim Prompting. Beispiel: „Du bist PR-Beraterin in der Kommunikationsagentur Wake up Communications und bereitest ein Erstgespräch mit einem mittelständischen Kunden aus dem Tech-Bereich vor. Welche Fragen stellst du, um die Kommunikationsziele besser zu verstehen?“
- Verstehen vor Umsetzen: Wer neue Teammitglieder einarbeitet, wünscht sich aktives Mitdenken. Genau diesen Raum sollte auch eine KI bekommen. Beispiel: „Du bist neu im Team. Ich gebe dir jetzt eine Aufgabe. Sag mir, was du brauchst, um sie gut erledigen zu können, und stell Rückfragen, wenn etwas fehlt.“
- Feinschliff für mehr Wirkung: Ob Mensch oder KI – pauschales Feedback hilft nicht weiter. Je genauer du formulierst, was dir fehlt, desto besser wird der Output. Beispiel: „Das trifft die Grundidee schon gut, aber der Ton ist für die Zielgruppe zu formal. Bitte schreib lockerer, nahbarer und mit einem stärkeren Bezug zu den Alltagssituationen der Zielgruppe.“
- Klarer Rahmen, bessere Ideen: Kreativität braucht Struktur. Ohne Zielgruppe, Format oder Ton ist auch ein besonders kreativer Vorschlag oft nicht brauchbar. Ein guter Prompt ist nichts anderes als ein gutes Briefing. Beispiel: „Skizziere drei Ideen für ein Instagram-Reel zu unserem Arbeitsalltag. Zielgruppe: potenzielle Bewerbende. Ton: authentisch, ungekünstelt, sympathisch. Länge: maximal 20 Sekunden.“
Wer so promptet, denkt also schon wie eine gute Führungskraft. In der Arbeit mit KI trainieren wir täglich Eigenschaften, die auch in moderner Führung gefragt sind: Einfühlungsvermögen und kritisches Denken.
Wenn wir anfangen, KI nicht nur als Helferin, sondern als Sparringspartnerin zu sehen, eröffnen sich ganz neue strategische Potenziale. Daher haben wir uns für die kommenden Monate auch bei Wake up vorgenommen, KI noch gezielter in kreative Prozesse und konzeptionelle Arbeit einzubinden. So entsteht gleichzeitig mehr Tiefe in unserem eigenen Ansätzen, weil wir konkreter reflektieren müssen, wohin wir wollen, ehe wir die KI überhaupt einsetzen. KI fordert uns heraus, innezuhalten, bevor wir handeln und darin liegt ihr vielleicht größter Wert.