• 6. Oktober 2021
  • Kay Christiane Winckler
Wie wir den Wahl-O-Meter in der Tagesschau platzierten

Wie wir den Wahl-O-Meter in der Tagesschau platzierten

Welcher Partei kann ich vertrauen, wer vertritt meine Position am besten und welchen Wahlversprechen kann ich eigentlich noch glauben? Diese Fragen treiben sicher nicht nur uns in einem Super-Wahljahr um, sondern viele Millionen Menschen in Deutschland. Eine Entscheidungshilfe dazu bietet seit 2017 der Wahl-O-Meter des gemeinnützigen Vereins DEMOCRACY Deutschland. Die App prüft faktenbasiert, ob das Abstimmungsverhalten einer Partei oder Politiker*innen im Bundestag in der Vergangenheit konsistent war zu den aktuellen Wahlversprechen. Auch wenn es ähnlich klingt: anders als beim Wahl-O-Mat geht es also eher darum, sich inhaltlich mit der Glaubwürdigkeit von Parteien auseinanderzusetzen und diese zu bewerten. Wir haben Democracy Deutschland e. V. mit Pro-bono Kommunikation und PR zum Wahl-O-Meter unterstützt. Das erfreuliche Ergebnis: ein Beitrag in der Tagesschau, Meldungen über den Wahl-O-Meter auf weiteren Kanälen der öffentlich-rechtlichen Medien sowie Beiträge in Tageszeitungen und Onlinemedien. Dazu später mehr. Mit diesem Blogbeitrag ziehen wir Bilanz: Wie gelingt eine erfolgreiche Platzierung in relevanten Medien? Was ist wichtig, wenn man Redaktionen ein Thema anbietet, insbesondere in einer medial hart umkämpften Zeit wie dem Bundestagswahlkampf?

Wenn das eigene Produkt plötzlich viele Mitbewerber hat

Anfang August startete die PR für den Wahl-O-Meter. Zum Auftakt haben wir eine klassischen Pressemitteilung an Journalist*innen und Redaktionen verschickt. Einige Tage später starteten wir unseren Nachfass bei den Medien und in den Redaktionen. Nachfass meint das telefonische Nachfragen, ob das zuvor angebotene Thema in der Berichterstattung aufgegriffen wird. So eine Nachfassaktion polarisiert: Journalist*innen reagieren oftmals ungehalten, wenn Agenturen nachfassen, es sei denn man kann inhaltlich doch etwas gehaltvolles und relevantes anbieten. Dann heißt es dranbleiben und hartnäckig sein!  Auch wir waren zuerst ernüchtert. Zwar zeigten sich viele Redaktionen an dem Prinzip des Wahl-O-Meters interessiert, oft jedoch in Verbindung mit dem Satz „Schicken Sie uns am besten alles noch mal“. Im Laufe des Nachfasses entdeckten wir außerdem zahlreiche Nachrichten über vergleichbare Angebote. Vom WahlSwiper, über Wahltraud bis hin zum bekannten Wahl-O-Mat schien die Masse an ähnlichen Tools, die auch noch ähnlich hießen von Tag zu Tag zu wachsen. Wir waren ernüchtert, aber haben nicht aufgegeben. 

Berichterstattung des bekanntesten Nachrichtenmagazins Deutschlands: Die Tagesschau

Auf eine solche Entwicklung der Berichterstattung haben wir schnell reagiert und sie als Aufhänger genutzt, um Redaktionen auf das Fehlen des Wahl-O-Meters in den Artikeln und Fernsehbeiträgen hinzuweisen. Parallel dazu haben wir Material zum Wahl-O-Meter weiterhin mehrfach an sämtliche relevante Redaktionen und Journalist*innen gesendet, gefolgt von zahlreichen Anrufen. Ein Prozess, der enorm viel Zeit in Anspruch nahm, aber schließlich Früchte trug. Denn über den Wahl-O-Meter berichteten dann auch die Tagesschau, das Morgenmagazin der ARD, der BR, der MDR, die Tageszeitung Nordbayern, die Rheinische Post, Focus Online, CHIP, sowie das Kommunikationsmedium Horizont.   Was war letztlich das Geheimnis unseres Erfolgs? Wir sind einfach dran geblieben! Worauf solltet ihr also achten, wenn ihr medial herausstechen möchtet?
  1. Ein gut gepflegter Verteiler, in dem nicht nur namentliche Kontakte stehen, sondern auch die allgemeinen Redaktionsadressen. Denn letztere entscheiden oft, welche News es ins Medium schaffen und verteilen Anfragen in die unterschiedlichen Ressorts und Redaktionen.
  2. Je konkreter der*die Ansprechpartner*in, desto mehr Aussicht auf Erfolg.
  3. Eine E-Mail zu versenden reicht nicht. Redaktionen erhalten täglich eine Fülle an Anfragen und Pressemitteilungen, in der man schnell untergeht. Plant daher auch zeitlich ein, dass ihr Infos mehrfach versenden werdet. 
  4. Nie das persönliche Gespräch unterschätzen. Anrufen, anrufen, anrufen hilft!

Worin besteht der Mehrwert für Rezipienten eines Mediums?

Doch auch wenn ihr alle oben genannten Punkte beachtet: Gebt Journalist*innen nie das Gefühl, dass sie Werbung für euer Produkt machen sollen. Erfolgreiche Pressearbeit beruht vor allem auf dem Prinzip, nicht Bittsteller zu sein, sondern vielmehr ein Angebot zu machen. Das kann eine besondere Geschichte oder eine Person sein. Stets muss dabei ein hoher Nutzen für die Leserschaft des entsprechenden Mediums bestehen und der Inhalt den Themen und Schwerpunkten des Mediums entsprechen. Im Fall des Wahl-O-Meter haben wir den großen Nutzen des Tools für Wahlberechtigte bei der Bundestagswahl betont.

Auf manche Faktoren hat man schlicht keinen Einfluss

Nichtsdestotrotz gibt es jedoch auch mit der besten Strategie Faktoren, auf die man als PR-Agentur keinen Einfluss hat. Besonders in den Wochen vor wichtigen politischen Ereignissen wie einer Wahl sind Redaktionen besonders ausgelastet. Ebenfalls keinen Einfluss hat man darauf, in welchem Umfang schließlich berichtet wird. In Zeiten von Online-Journalismus denken auch Redaktionen zudem stark wirtschaftlich orientiert: was ähnlich klingt, wird von Rezipient*innen nicht geklickt. Auf all diese Punkte haben wir flexibel reagiert. Unser Fazit: Die Arbeit für den Wahl-O-Meter und unser erstes Mandat in politischer Kommunikation war für uns eine Herausforderung und auch ein Lehrstück. Wir haben uns manches einfacher vorgestellt und viel Energie eingebracht. Aber wenn man dann in der  Tagesschau erwähnt wird, war es das wert. Wenn ihr mehr zu dem Projekt erfahren möchtet, hört gerne unseren Agentur-Podcast „Kurzer Freitag“, in dem Marius Krüger, Gründer von DEMOCRACY Deutschland e. V. zu Gast war und von seiner Arbeit erzählt. Weitere Informationen gibt es außerdem bei DEMOCRACY Deutschland e. V.   
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