• 2. Mai 2024
  • Nora Boutrid
TikTok auf dem Iphone.

TikTok-Verbot in den USA

Dass das Videoportal TikTok schon seit Langem unter Kritik steht, ist nichts Neues. Die Liste an Punkten ist lang: von Datenschutz- und Sicherheitsbedenken bis hin zu möglichen Urheberrechtsverletzungen und der unkontrollierten Verbreitung von Fake News. Wirft man allerdings einen Blick auf die Nutzerzahlen, scheinen die (berechtigten) Beanstandungen auf Ignoranz zu stoßen. Nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung nutzen mehr als eine Milliarde Menschen TikTok. Allein im Jahr 2020 lag die Anzahl der monatlich aktiven Nutzerinnen und Nutzer in den USA bei rund 170 Millionen Menschen – Tendenz steigend. Auch hierzulande erfreut sich die App mit rund 19,5 Abonnenten einer hohen Beliebtheit.

Zumindest in den USA könnte damit bald Schluss sein. Denn seit Wochen herrscht eine rege Diskussion über ein mögliches TikTok-Verbot auf dem US-Markt. Die US-Regierung stellt dem Online-Dienst TikTok ein Ultimatum: Entweder das Mutterunternehmen Bytedance verkauft seine Rechte an der App innerhalb von neun Monaten an die USA oder die Nutzung wird im gesamten Land verboten. Denn TikTok wurde vom chinesischen Techkonzern Bytedance gegründet, der im Jahr 2017 den damaligen US-Konkurrenten Musical.ly aufgekauft hat. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten –  Bytedance gilt inzwischen als wertvollstes Start-up weltweit. Die Gründe für ein mögliches Verbot sind vielfältiger Natur: politische Einflussnahme, angespannte Handelsbeziehungen zwischen den USA und China sowie Sorge bezüglich möglicher Spionage dürften nur einige der Gründe sein, weshalb die USA über die Rechte der lukrativen App verfügen will. Auch hierzulande wird die Option eines eventuellen Verbots als möglich eingestuft. Wie weit diese Pläne bereits fortgeschritten sind, ist allerdings noch unklar. Die Entwicklungen rund um TikTok beobachten wir weiterhin, denn TikTok bietet nicht nur einen weitreichenden Unterhaltungswert, sondern ist insbesondere für Unternehmen eine wertvolle Ressource, um Awareness zu generieren. 

Nun erheben sich die ersten Stimmen, die sich gegen oder auch für ein Verbot der App aussprechen – so auch bei uns im Team Wake up. Unsere Werkstudentinnen Michelle und Nora beziehen Position.

Warum Nora ein Verbot der App für fatal hält

Beim Thema TikTok war ich eine echte Spätzünderin. Ich war mit meinem Instagram-Account zufrieden und zeigte absolut kein Interesse, mir TikTok zu downloaden. Ab einem gewissen Zeitpunkt kam ich nicht mehr drumherum und erstellte mir wegen eines Uni-Projekts einen Account. Was hatte ich nur vorher verpasst … TikTok entwickelte sich in kürzester Zeit zu meiner absoluten Lieblingsapp, die ich inzwischen nicht mehr missen möchte. Zugegeben: Ich habe eine Nutzungszeit aus der Hölle und musste mich schon mehr als einmal zwingen, das Handy beiseitezulegen. Natürlich bin ich mir der zahlreichen Vorbehalte bewusst und weiß, dass die Nutzung von TikTok eine gewisse Medienkompetenz voraussetzt, die sich besonders junge Menschen häufig noch aneignen müssen. Nichtsdestotrotz stimmt mich ein mögliches TikTok-Verbot auf dem US-Markt trotzig. Allem voran ein oberflächlicher Grund: Die besten Creator kommen nunmal aus den USA. Natürlich gibt es auch andernorts Creator, die echt gute Arbeit leisten, allerdings stammen die Ursprungsideen fast immer aus dem US-amerikanischen Raum. Eine weitere Begründung stellt für mich die soziale Komponente dar. Auf der Plattform hat sich eine starke Gemeinschaft aufgebaut, die vielen Menschen einen Ort für Kreativität und soziale Interaktion ermöglicht. Und spätestens seit der Pandemie wissen die meisten von uns, wie essentiell digitale Kommunikation sein kann. Ein Verbot der App würde diese Gemeinschaft von heute auf morgen spalten und eine Protestwelle mit sich bringen. 

Anstatt ein Verbot zu verhängen, sollten alternative Lösungen in Betracht gezogen werden, wie z. B. strenge Richtlinien, um Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Sicherheit anzugehen. Das wäre nicht nur eine sinnvolle Lösung, sondern ein Kompromiss, der beiden Seiten entspricht.

Unsere Werkstudentin Michelle ist anderer Meinung

In meinem Freundeskreis gelte ich wohl als die Person, die die meisten Social-Media-Plattformen wirklich aktiv nutzt. Umso überraschender ist es wohl, dass ausgerechnet ich kein TikTok nutze. Doch Datenschutz-, Jugendschutz- sowie Zensurprobleme sind für mich nur die bekanntesten Argumente gegen die Kurzvideoplattform.

Dadurch, dass das Unternehmen hinter TikTok, ByteDance bzw. Douyin, seinen Sitz in Peking in China hat, gibt es starke Bedenken hinsichtlich des Zugriffs auf persönliche Daten und den allgemeinen Datenschutz. Ein Verbot der Kurzfilm-App könnte dazu beitragen, sensible Informationen vor unbefugtem Zugriff zu schützen. 

Und auch beim Jugendschutz kann TikTok nicht glänzen: Unregulierte Inhalte können negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von jungen Menschen haben und auch (politische) Creatorinnen und Creator nutzen die Plattform aus, um gezielt Jugendliche zu beeinflussen. TikTok selbst scheint nichts dagegen machen zu wollen, deshalb kann meiner Meinung nach nur noch ein Verbot den Zugang zu potenziell schädlichen Inhalten einschränken und einen besseren Jugendschutz im Internet schaffen.

Es gibt zwar zu wenig Jugendschutz auf der Plattform, dafür aber umso mehr Zensur. Für mich ist Social Media ein Ort des Austausches, der Diskussion und der Meinungsfreiheit. Das Internet lebt vom Diskurs unterschiedlicher Personengruppen mit diversen Meinungen. Leider werden Berichten zufolge bestimmte Inhalte, zum Beispiel politische und gesellschaftlich kontroverse Themen, gezielt von TikTok zensiert und ausgeblendet. Auch hier bezweifle ich stark, dass eine App, die von einem Staatssystem, das selbst die eigenen Medien zensiert, betrieben wird, Interesse daran hat, etwas gegen die Zensur auf der Plattform zu tun. Die durch Zensur entstehende Manipulation und Einschränkung des Informationsaustauschs könnte nur durch ein Verbot verhindert und die Meinungsfreiheit somit wieder gestärkt werden.  

Insgesamt sehe ich das TikTok-Verbot als notwendigen Schritt an, um die Sicherheit, Privatsphäre und den Schutz junger Nutzerinnen und Nutzer sowie die Meinungsfreiheit im Internet zu gewährleisten. TikTok selbst wird meines Erachtens nach nichts an diesen Punkten ändern, sondern eher neue Grauzonen für sich finden, sodass ein Verbot auf lange Zeit vermutlich unausweichlich ist.

Ihr seht: Es gibt viele Gründe, die für oder gegen ein Verbot sprechen. 

Was ist eure Meinung? Erzählt es uns in den Kommentaren!

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