• 1. Juli 2021
  • Nora Boutrid
Instagram ohne Likes – Utopie oder neue Realität?

Instagram ohne Likes – Utopie oder neue Realität?

Kleine Zahl, große Wirkung: die roten Herzchen bei Instagram. Auch wenn mitunter gerne behauptet wird, dass uns die Online-Wertschätzung in Form von Likes nicht im hohem Maße interessiert, bleibt es dennoch ein Zeichen von Anerkennung und Bestätigung. Schließlich definierte schon Abraham Maslow in der Maslowschen Bedürfnishierarchie die Elemente „Anerkennung und Status“ als menschliche Motivation für ein erfülltes Leben, die es zu verwirklichen gilt. Es ist also keine große Überraschung, dass diese Bedürfnisse auch in der Online-Welt befriedigt werden wollen. Aber wie tangieren uns die roten Herzchen tatsächlich? Und wäre das Instagram-Dasein nicht stressfreier, ohne eine vermeintlich essenzielle Mindestanzahl an Likes?  

Fake it till you make it

Die Anzahl der Likes gleicht einem Applaus. Die Idee hinter Instagram ist simpel: eine virtuelle Plattform, in der Menschen Fotos und Videos öffentlich teilen und einen Ort zur Vernetzung finden. Follower*innen unseres Profils können ihre Bewunderung für unseren Beitrag in Form einer Gefällt-mir-Angabe zeigen. Damit teilen sie mit, ob unser Posting dem aktuellen Standard der Instagram-Welt entspricht oder nicht. Die Anzahl der Likes gleicht einem Applaus – wir bekommen Anerkennung, fühlen uns bestätigt und die Freude über die Online-Wertschätzung ist hoch. Dieses Hoch wollen wir natürlich beibehalten, der eigene Anspruch an unseren Online-Auftritt steigt. Dass das mitunter negative Auswirkungen auf unser Nutzungsverhalten und die Art, wie wir uns darstellen hat, liegt auf der Hand. 

„Wir alle spielen Theater“

Der Autor und Soziologe Ervin Goffman stellte bereits im Jahr 2003 fest, dass Individuen in einem Konstrukt innerhalb des „Theaters des Alltags“ stecken, dass sich heutzutage spielend leicht auf die Online-Welt übertragen lässt. Wir streben danach, das perfekte Leben zu inszenieren, um es unserer Online-Gemeinschaft zu präsentieren. Nicht ohne Grund gibt es zahlreiche Tipps und Tricks, wie man die meisten Likes bei Instagram ergattern kann: vom Posten zur richtigen Uhrzeit oder dem Gebrauch beliebter Hashtags bis hin zum übertriebenen Einsatz von Filtern oder schlussendlich der Möglichkeit zum käuflichen Erwerb von Likes. Das „Handbuch“ zur Gewinnung von Likes hat viele Seiten und die frühere dilettantische Nutzung von Instagram hat sich oftmals  zu einem strategischen Wettbewerb entwickelt, die einer Sucht gleicht.  

Gibt es bald keine Likes mehr?

Im November 2019 gab Instagram ein erstes Projekt zum Verbergen der Like-Anzahl bekannt. Der Testdurchlauf, der seine Anfänge in Kanada und den USA fand, wurde schnell auf weitere Länder wie z. B. Italien, Japan, Brasilien oder Irland ausgeweitet. Innerhalb dieses Versuchs wählten Expert*innen zufällige Accounts aus, bei denen sie die Like-Anzahl für Follower*innen ausschalteten. Bloß die Urheber*innen eines Beitrages hatten eine genaue Einsicht in die Kennzahlen. Einzig allein die Namen der Menschen waren einsehbar, die Gefallen an einem Beitrag fanden. Durch diese Änderung versprach sich Instagram-Chef Adam Mosseri ein verändertes Nutzungsverhalten, das sich mitunter durch weniger Unsicherheit und mehr Kreativität auszeichnet. Schon im Mai 2021 erklärt das Magazin Business Punk, wie die Like-Angaben bei Instagram simpel ausgeblendet werden können. Die Entscheidung, die gewonnen Likes zu verbergen, ist bislang eine Möglichkeit und keine obligatorische Änderung für alle Nutzer*innen.  

Die schöne neue Instagram-Welt

Inwiefern sich ein Nutzungsverhalten tatsächlich ändern wird, lässt sich erst in geraumer Zeit feststellen. Fraglich bleibt ebenso, ob die „Like-Währung“ durch eine neue, vielleicht sogar bessere Währung ersetzt wird und welchen Einfluss diese Änderung auf Influencer*innen haben, die ihr Gehalt an solchen Kennzahlen bemessen.  Dennoch steht es außer Frage, dass das Verbergen einer vermeintlich wichtigen Zahl positive Nebeneffekte hat. Ohne den gesellschaftlichen Druck, so viele Likes wie nur möglich zu ergattern und verkrampft „like-würdige“ Bilder zu publizieren, können Nutzer*innen ihren Account nach Belieben gestalten. Sie können der Kreativität und den eigenen Vorstellungen von Authentizität wieder freien Lauf lassen. Und darum soll es bei Instagram schließlich auch gehen.  Wie findet ihr diese Idee? Habt ihr vielleicht sogar schon Erfahrungen mit der neuen Funktion bei Instagram gemacht? Erzählt es uns auf unseren Social-Media-Kanälen! 
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