Ein Account bedeutet noch keine Positionierung
Hotels verkaufen nicht nur Übernachtungen. Sie verkaufen Atmosphäre, Gastfreundschaft und ein Gefühl für den Ort. Social Media bietet die Möglichkeit, genau das bereits vor der Anreise und auch nach dem Aufenthalt zu “fühlen”.
In der Praxis zeigen viele Häuser jedoch vor allem Zimmer, Frühstück, Wellnessbereiche oder Veranstaltungsräume. Das vermittelt einen Eindruck vom Angebot, beantwortet aber noch nicht die entscheidende Frage: Warum sollten sich Gäste genau für dieses Hotel entscheiden?

Nadja Amireh & Mine Weber
„Uns hat interessiert, ob Hotels auf Social Media tatsächlich als individuelle Gastgeber und lokale Akteure erkennbar werden oder ob ihre Kommunikation vor allem aus austauschbaren Zimmer-, Frühstücks- und Wellnessmotiven besteht“, erklärt unsere Inhaberin Nadja Amireh. „Ein Account kann sichtbar sein und trotzdem kaum vermitteln, warum Gäste genau dieses Haus wählen sollten.“
Mehr als die Hälfte kommuniziert nicht aktiv und lokal
- Die Analyse zeigt: Nur 49 der 100 untersuchten Hotels veröffentlichten im betrachteten Zeitraum aktiv Inhalte über einen lokalen Social-Media-Account.
- 30 Häuser waren weder auf Instagram noch auf Facebook vertreten.
- Weitere 13 Hotels haben zwar über lokale Accounts, veröffentlichten dort aber keine Beiträge.
- Acht Häuser wurden ausschließlich über zentrale Markenaccounts repräsentiert.
Besonders auffällig war für uns daher weniger die Qualität der aktiven Auftritte als die große Zahl der Hotels, die lokal gar nicht oder nur unregelmäßig kommunizieren.
Zentrale Markenaccounts sind wichtig für Reichweite und Wiedererkennung. Sie können jedoch nur begrenzt zeigen, was ein einzelnes Haus, sein Team und sein Umfeld auszeichnet. Lokale Inhalte dagegen übersezen die Marke in konkrete Gründe für einen Besuch, eine Bewerbung oder eine Kooperation.
Instagram ist der stärkere lokale Kanal
Von den untersuchten Hotels veröffentlichten 47 aktiv auf Instagram, auf Facebook waren es 36. Instagram übernimmt damit häufig die Rolle des visuellen Leitkanals für Atmosphäre, Gastronomie, Veranstaltungen und Aufenthaltsanlässe.
Facebook bleibt dennoch relevant, etwa für regionale Communitys, Angebote, Veranstaltungen und Serviceinformationen. Entscheidend ist, beiden Plattformen eine klare Aufgabe zu geben. Derselbe Beitrag auf zwei Kanälen ist noch keine kanalübergreifende Strategie.
Gute Inhalte brauchen ein System
Die gute Nachricht: Viele Hotels, die aktiv lokal kommunizieren, machen bereits vieles richtig. Die 49 bewerteten Auftritte bei Instagram und Facebook erreichten durchschnittlich 10,08 von 15 möglichen Punkten. Rund 82 Prozent der aktiven Accounts wurden mindestens als solide eingestuft.
Der größere Handlungsbedarf liegt deshalb häufig nicht bei einzelnen Posts. Es fehlen klare Zuständigkeiten, wiederkehrende Formate und ein verlässlicher redaktioneller Prozess.
„Es geht nicht darum, jeden Tag etwas zu veröffentlichen oder möglichst viele Trends mitzumachen“, betont Nadja Amireh. „Entscheidend ist, dass ein Haus weiß, welche Geschichte es erzählen möchte, für wen es besonders relevant ist und wie daraus kontinuierlich passende Inhalte entstehen.“
Die stärksten Auftritte posten nicht zwangsläufig mehr. Sie erzählen klarer. Sie verbinden Angebote mit konkreten Anlässen und zeigen, wie sich ein Aufenthalt anfühlt.